VHÖ-Exkursion in Rumänien

Die extremen Kontraste der europäischen Holzindustrie zeigten sich bei der Exkursion des VHÖ Anfang Oktober in Rumänien. Wir besuchten Radauti (sprich: Rada-uz) im Nordosten des Landes. Die 18.000 Einwohner-Stadt zwischen Karpaten und der Ukraine beherbergt einen einmaligen Holzcluster. Die Schweighofer Holzindustrie betreibt dort ein 1,4 Mio. fm/J-Sägewerk. Daneben errichtete die Tiroler Egger-Gruppe eine Spanplattenwerk, welches später um eine OSB-Linie ergänzt wurde.Es gibt sicherlich Standorte die einfacher zu erreichen sind. Drei Stunden dauert der Transfer von Iasi, dem nächsten internationalen Flughafen nach Radauti. Doch die waldreichen Karpaten und die Anbindung an die europäischen sowie russischen Bahnlinien macht diesen Ort zum idealen Zentrum für Holzverarbeitung. Im Endausbau (noch immer sind Investitionen am Laufen) werden die beiden österreichischen Betreiber wohl 750 Mio. € in die Werke gesteckt haben. Dafür wurde Top-Technik eingesetzt. Einen effizienteren Standort in Europa zu finden, dürfte schwierig werden.

Sägewerk Schweighofer

Die Exkursion begann im Sägewerk. Per Lkw oder Bahn kommen 1,4 Mio. fm an sägefähigen Blochen pro Jahr ins Werk. Der Einkaufsradius beschränkt sich auf 200 km. Verarbeitet wird das Holz von einer Linck-Profilzerspaner-Sägelinie mit Springer-Sortierung, also den üblichen Ausstattern von Sägewerke dieser Kragenweite. Nach Entrindung werden die Bloche auf 100 Boxen nach Dimension sortiert. Immer gleiche Zopfdurchmesser landen dann in der Sägelinie. Die kann bei schwächeren Blochen bis zu 180 m/min erreichen. Während des VHÖ-Besuschs waren es gerade 152 m/min. Die Bretter werden sortiert und zu 90% getrocknet. Für die Weiterverarbeitung besitzt Schweighofer drei Hobellinien, sowie eine Post- und seit Kurzem eine Beam-Produktion. Wichtigster Kunde der höchstwertigen Ware ist Japan. Entsprechen viel Wert legte man in Radauti auf Qualität. Die Sägespäne veredelt Schweighofer zu Pellets.

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OSB- und Spanplattenwerk Egger

Direkt neben dem Sägewerk werden OSB- und Spanplatten hergestellt. Das Egger-Werk braucht dafür rund 2,2 Mio. fm/J an Industrieholz und Sägenebenprodukte. Der Holzeinkauf am Egger Standort Radauti wird vom VHÖ Obmann Manuel de Menech geleitet der auch gleichzeitig der Organisator der Reise war. OSB wird vorwiegend aus Nadelhölzern produziert. In die Spanplatten gehen neben Kiefern und Fichten eine ganze Reihe von Laubgehölzen. Die Produktionsabläufe waren den Boku-Absolventen natürlich geläufig. Das in der Praxis zu sehen, beeindruckte aber jeden. Der Prozess besteht beim Beispiel OSB aus: Entrindung, Heißwaschen, Messerring-Zerspanung, Trocknung, Beleimung, Plattenformung, kontinuierliches Pressen, Plattenformatierung. Bei den Spanplatten kommt es abschliessend noch zu einer Oberflächenveredelung in form von Dekor oder schleifen. Die Energie wird zum Großteil vor Ort durch ein eigenes Kraftwerk aus Restholz hergestellt.Zusammengefasst: Egger und Schweighofer verbrauchen gemeinsam gut 3,5 Mio. fm Holz, verarbeiten das zu hochwertigen Produkten für den globale Märkte und machen Radauti zu einem der effizientesten Holzverarbeitungsstandort der Welt. Und genau jetzt wurden die Kontraste offenbar. Denn die VHÖ-ler begutachteten auch die klassischen Strukturen in Rumänien.

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Rücken mit Pferden

Das ist zunächst die Ernte, welche nach wie vor in großem Ausmaß motormanuell mit Pferderückung erledigt wird. Der Grund liegt in der in Rumänien üblichen Einzelstammauszeige ohne der Möglichkeit Rückegassen anzulegen. Um in den Karpaten schonend im stehenden Bestand zu ernten, wird daher auf stämmige Forstpferde zurück gegriffen. Diese behuften Kraftpakete zerren frisch gefälltes Laub- und Nadelholz an die nächste Forststraße, von wo aus es ein Skidder zum Manipulationsplatz zieht. Ist das effizient? Den rumänischen Gegebenheiten und Umständen folgend: Ja. 

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Sägewerk mit manuellem Vorschub

Von westlichen Standards einiges entfernt sind auch die eingesessenen rumänischen Kleinsägewerke. Die Exkursion führte auch zu so einem Betrieb. Fünf Bandsägen und ein Besäumer verarbeiteten dort durchaus schöne und hochwertige Rundhölzer – aber auf technisch einfachstem Standard. Drei der fünf Bandsägen waren auf Schienen montiert. Die Bediener schoben die Horizontalsägen mit Körperkraft über die Bloche. Ein Mitarbeiter trug die Bretter zum Besäumer (eine einfache Kreissäge), wo aber auch noch die letzten Spreißeln verarbeitet wurden. Zwei Bandsägen hatten (zum Teil funktionierenden) maschinellen Vorschub. Die Eindrehung geschah allerdings nach Augenmaß, was des Öfteren in schiefwinkeligem Einschnitt resultierte.

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Kultur in der Bukowina

Es sollte neben den fachlichen Exkursionen aber noch Platz für Kultur bleiben. Am zweiten Nachmittag war die VHÖ Gruppe zwischen Margina und Guru Humorolui unterwegs. Geführt von einer professionellen, perfekt Deutsch sprechenden Reiseführerin wurden uns die Jahrhunderte alten orthodoxen Klöster in Sucevita und Voronet gezeigt. Dabei konnte die Gruppe auch einiges über die in Rumänien am stärksten verbreitetet Religion lernen. Ein nach rumänischen Angaben weltweit bekanntes Exportprodukt ist die schwarze Keramik von Margina. Ein einzelnes Dorf mit wenigen Einwohnern am Fuße der Karpaten das sich der Herstellung von Vasen, Krügen, Tellern und sonstigen Keramikprodukten aus schwarzem Ton verschrieben hat. Neben dem, das uns die Kunst des Töpferns von Profis gezeigt wurde, hatten sich auch einige der Kollegen selbst daran versucht. Es war schnell zu erkennen das der Ausbildungsschwerpunkt an der BOKU nicht an der Töpferscheibe liegt.

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Ein vergnüglicher Abschluss der Exkursion war ein traditionell rumänischer Abend mit Lamm vom Spieß, landestypischen Getränken sowie Musik und Tanz.

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© Verband Holzwirte Österreichs